Ein Überblick über Behandlungsstühle

Ein konzeptioneller Leitfaden zur Patientenlagerung, zum klinischen Arbeitsablauf und zur Gestaltung des Behandlungsraums

Ein Behandlungsstuhl mag auf den ersten Blick wie ein relativ einfaches Gerät erscheinen. In der Praxis steht er jedoch an der Schnittstelle mehrerer wichtiger Elemente des Gesundheitswesens: des Patienten, des klinischen Verfahrens, des medizinischen Personals, der Behandlungsgeräte und der räumlichen Behandlungsumgebung.

Dies ist besonders wichtig, wenn ein Patient mehrere Stunden auf dem Behandlungsstuhl verbringt oder wenn das medizinische Personal während der Behandlung wiederholt Zugang zum Patienten benötigt.

Die richtige Frage lautet daher nicht einfach:

„Welcher Stuhl verfügt über die meisten Funktionen?“

Eine sinnvollere Frage lautet:

„Was muss der Stuhl bei dieser speziellen Behandlung ermöglichen?“

In diesem Leitfaden werden die Grundsätze erläutert, die dieser Frage zugrunde liegen.

1. Denken Sie über die Behandlung nach, bevor Sie sich auf den Behandlungsstuhl setzen

Die Auswahl eines medizinischen Stuhls beginnt oft mit den technischen Daten: Anzahl der Motoren, Abmessungen, Zubehör oder Polsterung.

Ein besserer Ausgangspunkt ist die Behandlung selbst.

Überlegen Sie sich, was tatsächlich vom Betreten des Behandlungsraums durch den Patienten bis zu dessen Verlassen des Raums geschieht.

Ein typischer Arbeitsablauf könnte Folgendes umfassen:

Der Patient trifft ein → nimmt auf dem Behandlungsstuhl Platz → wird positioniert → der Zugang zu den Gefäßen oder zu den Geräten wird hergestellt → die Behandlung beginnt → während der Behandlung erfolgt eine Positionsänderung → das Personal führt Maßnahmen durch (beispielsweise eine Notfallmaßnahme) → die Behandlung endet → der Patient verlässt den Behandlungsstuhl → der Behandlungsstuhl wird gereinigt und für den nächsten Patienten vorbereitet.

Jeder Teil dieser Abfolge stellt unterschiedliche Anforderungen an den Stuhl.

So kann beispielsweise eine Funktion, die während der Dialyse von großem Nutzen ist, bei einer kurzen Infusion weitaus weniger wichtig sein. Ein für die TMS konzipierter Stuhl muss Positionierungsprobleme lösen, die bei der Plasmaspende normalerweise nicht auftreten. Ein Transportstuhl muss Anforderungen erfüllen, die an einen stationären Behandlungsstuhl nicht gestellt werden.

Der richtige Behandlungsstuhl wird daher durch den Arbeitsablauf bestimmt und nicht lediglich durch die Bezeichnung der Behandlung.

2. Ein Behandlungsstuhl verbindet drei Systeme miteinander

Um das Konzept der medizinischen Sitzmöbel besser zu verstehen, ist es hilfreich, sich drei miteinander verbundene Systeme vorzustellen:

Der Patient

Der Stuhl muss den körperlichen Gegebenheiten des Patienten, seiner Mobilität, seinen Komfortansprüchen sowie den Positionswechseln während der Behandlung gerecht werden.

Der Arzt

Medizinisches Fachpersonal muss in der Lage sein, den Patienten zu erreichen, Behandlungen durchzuführen, Geräte zu bedienen und bei Bedarf schnell zu reagieren.

Das Behandlungsumfeld

Der Stuhl befindet sich in einem physischen Raum, in dem sich Personen, medizinische Geräte, Stromkabel, Infusionsgeräte, Tische, Monitore und Laufwege befinden.

Ein gutes Design eines Behandlungsstuhls zielt darauf ab, allen drei Systemen gleichermaßen gerecht zu werden.

Ein Stuhl, der zwar sehr bequem ist, aber einen guten klinischen Zugang verhindert, ist kein optimaler medizinischer Stuhl.

Ein Stuhl, der zwar einen hervorragenden Zugang bietet, auf dem man sich jedoch während einer vierstündigen Behandlung nicht wohlfühlt, ist ebenfalls nicht optimal.

Und selbst ein klinisch hervorragender Behandlungsstuhl kann Probleme verursachen, wenn er nicht zum Behandlungsraum oder zum Arbeitsablauf passt.

3. Bei medizinischen Sitzmöbeln geht es um die Körperhaltung, nicht nur ums Sitzen

Ein herkömmlicher Stuhl ist in erster Linie auf die Sitzposition ausgelegt.

Ein Behandlungsstuhl muss folgende Anforderungen erfüllen: eine Abfolge von Positionen.

Während einer Behandlungssitzung muss ein Patient möglicherweise:

  • in aufrechter Haltung eintreten

  • sich zur Behandlung zurücklehnen

  • Wechseln Sie die Position, um es bequemer zu haben

  • die Beine anheben oder absenken

  • dem medizinischen Fachpersonal einen besseren Zugang ermöglichen

  • sich in eine Notfallposition begeben

  • Stellen Sie das Gerät vor dem Verlassen wieder aufrecht hin.

Das bedeutet, dass das Zusammenspiel zwischen Sitzfläche, Rückenlehne, Beinstütze und dem Gesamtneigungswinkel des Stuhls wichtiger ist als jede einzelne Bewegung.

Das Ziel ist nicht die Bewegung um der Bewegung willen.

Ziel ist es, während des gesamten klinischen Eingriffs eine zweckmäßige und bequeme Lagerung des Patienten zu gewährleisten.

4. Komfort ist ein wichtiger Aspekt bei der klinischen Gestaltung

Komfort wird bei medizinischen Geräten mitunter als optionaler Luxus betrachtet.

Bei einer Langzeitbehandlung ist dies die falsche Herangehensweise.

Ein Patient, der sich einer Dialyse, Chemotherapie oder Infusionstherapie unterzieht, verweilt möglicherweise mehrere Stunden lang in etwa derselben Position. Selbst relativ geringfügige Probleme hinsichtlich der Körperhaltung oder der Stützung können im Laufe der Zeit erhebliche Auswirkungen haben.

Zu den wichtigen Faktoren zählen:

  • Verteilung des Körperdrucks

  • Stütze für den Rücken und das Becken

  • Beinposition

  • Armstütze

  • Fähigkeit, geringfügige Positionsänderungen vorzunehmen

  • Eigenschaften von Polsterstoffen

  • Temperatur und Oberflächenbeschaffenheit

  • Gefühl der Stabilität

Komfort sollte daher nicht einfach als „weiche Polsterung“ verstanden werden.

Ein sehr weicher Stuhl ist nicht automatisch ein bequemer medizinischer Stuhl.

Echter Komfort auch bei längerem Sitzen entsteht durch das Zusammenspiel von Geometrie, Stützfunktion, Verstellbarkeit und Polsterung.

5. Der Patientenzugang ist Teil der Stuhlkonstruktion

Erst wenn der Patient Platz genommen hat, lässt sich ein Behandlungsstuhl wirklich beurteilen.

Doch bereits das Hinsetzen und Aufstehen vom Stuhl sind an sich wichtige klinische Ereignisse.

Zu den Patienten können gehören:

  • ältere Menschen

  • erschöpft

  • Schwäche nach der Behandlung

  • mit eingeschränkter Mobilität

  • besorgt

  • die an neurologischen oder muskuloskelettalen Erkrankungen leiden

Die Einstiegshöhe, die Position der Armlehnen und der verfügbare Platz neben dem Stuhl können daher eine erhebliche Rolle spielen.

Ein Behandlungsstuhl, der eine hervorragende Behandlungspositionierung ermöglicht, kann dennoch Schwierigkeiten bereiten, wenn der Zugang ungünstig ist.

Dies ist ein Grund dafür, warum die ideale Behandlungsposition und die ideale Einstiegsposition nicht unbedingt identisch sein müssen.

6. Bei der Höhenverstellung geht es in erster Linie um Arbeitsabläufe und Ergonomie

Höhenverstellbare Behandlungsstühle werden häufig als besonders komfortabel beschrieben.

Ihre wichtigere Aufgabe besteht darin, zwei unterschiedliche Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen.

Patienten profitieren in der Regel von einer barrierefreien Einstiegshöhe.

Klinisches Personal profitiert häufig von einer höheren Arbeitsposition.

Bleibt der Stuhl dauerhaft in einer niedrigen Position, kann es vorkommen, dass sich die Mitarbeiter wiederholt bücken oder in unbequemen Körperhaltungen arbeiten müssen.

Sollte der Stuhl dauerhaft in der höchsten Position verbleiben, kann der Zugang für den Patienten erschwert werden.

Dank der Höhenverstellung lässt sich der Stuhl an diese Anforderungen anpassen, anstatt eine Kompromissposition vorgeben zu müssen, die beiden Anforderungen gleichzeitig gerecht wird.

Ihre Bedeutung hängt daher davon ab, wie sich das medizinische Personal im Umgang mit dem Patienten tatsächlich verhält.

In einer Behandlungsumgebung, in der Patienten häufig Zugang haben, vaskuläre Eingriffe, Untersuchungen oder Verlegungen stattfinden, kann die Höhenverstellung von besonderem Nutzen sein.

7. Armlehnen sind klinische Schnittstellen

Die Armlehne ist eines der am meisten unterschätzten Bauteile eines medizinischen Behandlungsstuhls.

Bei einem gewöhnlichen Stuhl dient eine Armlehne in erster Linie dazu, den Arm abzustützen.

Bei der Dialyse, der Blutspende, der Plasmaentnahme, der Plasmapherese und der Infusionstherapie kann die Armlehne Teil des klinischen Verfahrens werden.

Möglicherweise muss es Folgendes unterstützen:

  • die Schulter und der Arm des Patienten in einer bequemen Position

  • zuverlässiger Gefäßzugang

  • unterschiedliche Körpergrößen

  • unterschiedliche Einstichstellen

  • Zugang für medizinisches Fachpersonal

  • Änderungen der Patientenlage

Eine feststehende Armlehne erfordert zwangsläufig, dass sich manche Patienten an den Stuhl anpassen müssen.

Dank einer verstellbaren Armlehne lässt sich der Stuhl an den Patienten anpassen.

Diese Unterscheidung gewinnt besonders dann an Bedeutung, wenn der Arm über einen längeren Zeitraum in einer stabilen Position verbleiben muss.

8. Der Zugang zur medizinischen Versorgung und die Patientenbetreuung müssen ausgewogen sein

Das klinische Personal benötigt Zugang zum Patienten.

Gleichzeitig benötigt der Patient Unterstützung und ein Gefühl der Geborgenheit.

Diese Anforderungen können miteinander in Konflikt stehen.

Große, feststehende Stützen mögen dem Patienten zwar ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, schränken jedoch den Zugang ein.

Sehr offene Stuhlkonstruktionen können zwar den Zugang erleichtern, bieten jedoch für bestimmte Patienten oder Anwendungsfälle keine ausreichende seitliche Stütze.

Die richtige Lösung hängt von der Behandlung ab.

Aus diesem Grund können konfigurierbare Armlehnen, abnehmbare oder klappbare Komponenten sowie verschiedene Zubehörkombinationen sinnvoller sein als der Versuch, einen einzigen universellen, feststehenden Stuhl zu entwickeln.

9. Über die Notfallortung sollte nachgedacht werden, bevor sie benötigt wird

Notfallfunktionen werden leicht übersehen, da sie nicht Teil der normalen täglichen Positionsbestimmung sind.

Medizinische Geräte müssen jedoch auch für außergewöhnliche Situationen gerüstet sein.

Die entscheidende Frage ist nicht lediglich, ob ein Stuhl eine Notfallfunktion hat.

Es lautet:

Wie schnell und intuitiv kann das Pflegepersonal den Patienten in die gewünschte Position bringen?

In Behandlungssituationen, in denen eine schnelle Neupositionierung erforderlich sein könnte, sollten Sie Folgendes berücksichtigen:

  • Verfügbarkeit der Trendelenburg-Lage

  • Barrierefreiheit der Bedienelemente

  • Notfall-Fußbedienungen, sofern erforderlich

  • Fähigkeit, eine geeignete horizontale Position einzunehmen

  • Möglichkeiten zur manuellen Notentriegelung, sofern vorhanden

  • Zugang für das Personal rund um den Vorsitzenden

Notfallmaßnahmen sollten als Teil der Gesamtkonzeption der Behandlungsstation betrachtet werden und nicht als isolierte Spezifikation für den Behandlungsstuhl.

10. Mobilität und Verkehr sind unterschiedliche Anforderungen

Ein Stuhl muss möglicherweise gelegentlich zur Reinigung oder zur Umgestaltung des Raums verschoben werden.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es sich um einen Krankentransportstuhl handelt.

Es ist sinnvoll, zwischen folgenden Begriffen zu unterscheiden:

Mobilität bei der Positionierung – das Bewegen des Stuhls innerhalb einer Behandlungsstation oder eines Behandlungsraums.

Operative Mobilität – das regelmäßige Versetzen des Stuhls zwischen den Behandlungsräumen.

Patiententransport – das Bewegen eines besetzten Stuhls durch die Gesundheitseinrichtung.

Jeder dieser Bereiche stellt unterschiedliche Anforderungen an Rollen, Bremsen, Lenkung, Konstruktion, Griffe und Stromversorgung.

Aus diesem Grund reicht die Frage „Hat der Stuhl Rollen?“ nicht aus.

Eine bessere Frage lautet:

„Wie, wie oft und unter welchen Bedingungen wird dieser Stuhl bewegt?“

11. Das Bremsen ist Teil der klinischen Stabilität

Mobilität ist nur dann von Nutzen, wenn der Stuhl auch zuverlässig gesichert werden kann.

Bei der Anlage eines Gefäßzugangs, beim Transport von Patienten und bei anderen klinischen Tätigkeiten ist eine vorhersehbare Stabilität von entscheidender Bedeutung.

Zentrale Bremssysteme können diesen Arbeitsablauf vereinfachen, da sie es ermöglichen, mehrere Räder über einen koordinierten Mechanismus zu arretieren, anstatt dass das Personal die Bremsen der einzelnen Rollen wiederholt betätigen muss.

Bei Stühlen, die häufig bewegt werden, sollten daher Bremswirkung und Manövrierfähigkeit gemeinsam bewertet werden.

12. Die Wendigkeit hängt nicht nur von der Radgröße ab

Ein großer medizinischer Stuhl, auf dem ein Patient sitzt, weist eine beträchtliche Masse auf.

Selbst wenn hochwertige Rollen verbaut sind, kann die Steuerung der Fahrtrichtung erheblichen Kraftaufwand erfordern.

Lösungen wie eine mittig angeordnete Drehscheibe können die Bewegungseigenschaften des Rollstuhls verändern, indem sie einen Drehpunkt oder eine Lenkreferenz bieten.

Der Nutzen eines solchen Systems zeigt sich am deutlichsten in realen klinischen Umgebungen:

  • enge Flure

  • Aufzüge

  • Behandlungsräume

  • überfüllte Abteilungen

  • wiederholte Neupositionierung

Mobilitätsmerkmale sollten daher unter Berücksichtigung der tatsächlich vorgesehenen Strecke bewertet werden und nicht lediglich anhand eines Datenblatts.

13. Die Energiestrategie sollte sich am Arbeitsablauf orientieren

Die elektrische Verstellung spielt mittlerweile eine zentrale Rolle bei der Positionierung moderner Behandlungsstühle, doch auch die Art der Stromversorgung des Stuhls hat Einfluss auf die Raumgestaltung.

Ein Fahrstuhl, der hauptsächlich an einer Haltestelle genutzt wird, kann in der Regel über das örtliche Stromnetz betrieben werden.

Ein Stuhl, der regelmäßig bewegt wird oder an Orten eingesetzt wird, an denen Kabel den Arbeitsablauf behindern würden, kann von einem batteriebetriebenen Betrieb profitieren.

Die Konfiguration der Batterie sollte daher nicht lediglich als eine Aufrüstung betrachtet werden.

Es löst ein bestimmtes betriebliches Problem.

Die richtige Frage lautet:

„Wann und warum muss der Stuhl ohne Anschluss an das Stromnetz betrieben werden?“

14. Integrierte Funktionen können Arbeitsschritte einsparen

Eine der sinnvollsten Methoden zur Bewertung der Technologie von Behandlungsstühlen besteht darin, zu prüfen, ob sie unnötige Schritte aus dem Behandlungsprozess eliminiert.

Eine integrierte Waage ist ein gutes Beispiel dafür.

Falls das Gewicht eines Patienten anderweitig an einem anderen Ort gemessen werden muss, kann der Arbeitsablauf Folgendes umfassen:

  1. den Patienten auf eine separate Waage zu verlegen

  2. Durchführung der Messung

  3. den Patienten auf den Behandlungsstuhl zu bringen

  4. manuelle Übertragung oder Erfassung der Informationen

Sofern das Wiegen am Behandlungsstuhl durchgeführt werden kann, können einige dieser Schritte entfallen.

Dies veranschaulicht einen allgemeineren Grundsatz:

Der Wert einer Funktion eines medizinischen Stuhls liegt nicht in der Funktion selbst, sondern in dem Arbeitsablauf, den sie vereinfacht.

Die gleiche Logik lässt sich auf integrierte Infusionshalter, Tische, Gerätehalter, Bedienelemente und digitale Schnittstellen anwenden.

15. Zubehör sollte Probleme lösen und nicht nur eine Ausstattungsliste füllen

Behandlungsstühle können mit zahlreichen Zubehörteilen ausgestattet werden.

Es ist verlockend, jede verfügbare Option festzulegen, insbesondere bei der Planung einer neuen Abteilung.

Zusätzliche Ausrüstung führt jedoch zu höheren Kosten, mehr Gewicht, größerer Komplexität und erhöhtem Reinigungsaufwand.

Jedes Accessoire sollte daher eine klare Frage beantworten.

Beispielsweise:

Infusionsständer: Muss die Infusionsausrüstung zusammen mit dem Stuhl bewegt werden?

Tabelle: Benötigt der Patient während der gesamten Behandlung eine stabile Unterlage?

Tablet-Halterung: Soll ein Display, ein Unterhaltungsgerät oder eine klinische Schnittstelle verwendet werden?

Seitengitter: Erfordert die Patientengruppe oder der Eingriff einen zusätzlichen seitlichen Schutz?

Schiebegriff: Wird das Personal den Stuhl regelmäßig bewegen?

Akku: Muss der Stuhl unabhängig vom Stromnetz betrieben werden?

Spezielle Armstütze: Ist für den Eingriff eine präzise Positionierung des Arms erforderlich?

Die Konfiguration wird wesentlich übersichtlicher, wenn jede Option einen klar definierten Zweck hat.

16. Behandlungsstühle sind Teil der Raumgestaltung

Ein Behandlungsstuhl sollte nicht losgelöst vom Behandlungsraum ausgewählt werden.

Seine Abmessungen und sein Bewegungsbereich beeinflussen:

  • der Abstand zwischen den Patienten

  • Zugang für Ärzte

  • Aufstellung der Geräte

  • Reinigung

  • Fluchtwege

  • elektrische Anschlüsse

  • Datenschutz

  • Sichtbarkeit

  • Patientenfluss

Ein Liegesessel kann in der liegenden Position deutlich mehr Stellfläche einnehmen als in der aufrechten Position.

Armlehnen, Infusionsständer, Tische und Monitore vergrößern zudem die effektive Fläche des Behandlungsplatzes.

Bei einer neuen Praxis sollte die Anordnung der Stühle daher bereits bei der Raumplanung berücksichtigt werden – und nicht erst, nachdem die Raumgestaltung bereits abgeschlossen ist.

17. Denken Sie eher in Behandlungsschritten als in einzelnen Produkten

Ein Behandlungsplatz ist in der Regel mehr als nur ein Stuhl.

Dazu können gehören:

  • Therapiestuhl

  • medizinische Behandlungsgeräte

  • Infusionsgeräte

  • Patiententisch

  • Monitor

  • Stromversorgung

  • persönlicher Speicherplatz

  • digitales Gerät

  • klinische Verbrauchsmaterialien

  • Abfall- oder Hygieneausrüstung

Betrachtet man diese Elemente als ein einheitliches System, lassen sich Konflikte aufdecken, die schwer zu erkennen sind, wenn jedes Produkt für sich genommen ausgewählt wird.

So kann beispielsweise ein separater Nachttisch die Bewegungsfreiheit des Personals einschränken, während eine am Stuhl befestigte oder speziell entwickelte Ablageeinheit eine kompaktere Anordnung ermöglicht.

Das Ziel besteht nicht einfach darin, alles in den Raum unterzubringen.

Ziel ist es, ein Behandlungsumfeld zu schaffen, in dem sich Personen, Geräte und Informationen effizient bewegen können.

18. Hygiene sollte bereits bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden

Medizinische Geräte werden im Laufe ihrer Lebensdauer tausende Male gereinigt.

Die Reinigung sollte daher bereits in der Planungs- und Beschaffungsphase berücksichtigt werden.

Zu den wichtigen Fragen gehören:

  • Sind häufig berührte Oberflächen leicht zugänglich?

  • Gibt es unnötige Lücken oder Stellen, an denen sich Schmutz ansammeln kann?

  • Können Polsterteile ausgetauscht werden?

  • Sind die Oberflächen mit den Reinigungsverfahren der Einrichtung vereinbar?

  • Lassen sich Zubehörteile gründlich reinigen?

  • Wie schnell lässt sich der Behandlungsstuhl für den nächsten Patienten vorbereiten?

Die beste Hygienelösung ist oft keine Zusatzfunktion.

Es handelt sich um ein Produkt, dessen grundlegende Konstruktion die regelmäßige Reinigung erleichtert.

19. Austauschbare Komponenten verändern die Wirtschaftlichkeit des Stuhls

Polster unterliegen naturgemäß einem schnelleren Verschleiß als viele Bauteile.

Sollte sich der Bezug nur schwer oder kostspielig austauschen lassen, können äußerliche Beschädigungen letztendlich dazu führen, dass ein ansonsten funktionsfähiger Stuhl aus dem Verkehr gezogen wird.

Ein modulares, austauschbares Polstersystem verändert dieses Verhältnis.

Der Stuhl kann als langlebige Plattform betrachtet werden, deren verschleißanfällige Bauteile während seiner Nutzungsdauer ausgetauscht werden können.

Dieses Prinzip kann Folgendes verbessern:

  • Lebenszykluskosten

  • Erscheinungsbild

  • Hygiene

  • Reparierbarkeit

  • Nachhaltigkeit

  • Verfügbarkeit der Ausrüstung

Bei der Bewertung von Medizinprodukten sollte daher nicht nur berücksichtigt werden, wie sich ein Stuhl im Neuzustand verhält, sondern auch, wie einfach er sich nach einigen Jahren warten lässt.

20. Kaufpreis und Anschaffungskosten sind nicht dasselbe

Der Stuhl mit dem niedrigsten Preis ist nicht unbedingt der Stuhl mit den geringsten Kosten.

Im Laufe vieler Jahre können zudem Kosten entstehen durch:

  • Wartung

  • Ersatzteile

  • Reparaturen

  • Ausfallzeit

  • Austausch der Polsterung

  • Personalzeit

  • Reinigung

  • Ersatzausrüstung

  • Produktlebensdauer

Dies ist das Prinzip der Gesamtbetriebskosten.

Bei Geräten, die an jedem Arbeitstag zum Einsatz kommen, können geringfügige Unterschiede hinsichtlich des Wartungsaufwands oder der Nutzungsdauer letztendlich eine größere Rolle spielen als Unterschiede beim Anschaffungspreis.

Bei der Beschaffung sollten daher sowohl die Anschaffungskosten als auch die Lebenszykluskosten berücksichtigt werden.

21. Unterschiedliche klinische Anwendungsbereiche führen zu unterschiedlichen Prioritäten

Es gibt keine einheitliche ideale Spezifikation für einen Behandlungsstuhl.

Dialyse

Zu den typischen Schwerpunkten können gehören:

  • lang anhaltender Komfort

  • Armstütze für den Gefäßzugang

  • Notfallpositionierung

  • Langlebigkeit

  • Reinigung

  • integriertes Wiegen

  • Patientenliegen und Zubehör

Chemotherapie und Infusion

Zu den typischen Schwerpunkten können gehören:

  • Komfort

  • Liegepositionen

  • Selbstständigkeit der Patienten

  • Infusionsgeräte

  • Kompakte Aufbereitungsanlagen

  • persönliche Tabellen

  • ein einladendes Behandlungsumfeld

Plasmaentnahme und Blutspende

Zu den typischen Prioritäten können gehören:

  • effiziente Patientenabwicklung

  • Positionierung des Arms für den venösen Zugang

  • Einfaches Ein- und Aussteigen

  • Reinigung

  • Langlebigkeit

  • Notfallpositionierung

Plasmapherese

Zu den typischen Prioritäten können gehören:

  • erweiterte Patientenlagerung

  • Gefäßzugang

  • Ergonomie für medizinisches Fachpersonal

  • Höhenverstellung

  • Notfallpositionierung

TMS und EEG

Zu den typischen Prioritäten können gehören:

  • eine stabile Haltung von Kopf und Oberkörper

  • Reproduzierbarkeit

  • Zugang im Kopfbereich

  • Kompatibilität mit Behandlungsgeräten

  • spezielle Kopf- und Rückenstütze

  • präzise Einstellung

Tagesbehandlungen und Genesung

Zu den typischen Prioritäten können gehören:

  • flexible Positionierung

  • horizontale Ausrichtung, sofern erforderlich

  • Patientenzugang

  • modularer Aufbau, vielseitige Funktionalität

  • Mobilität

  • Seitenschutz

  • Arbeitsablauf für die Aufbereitung und Rückgewinnung

Die Kategorie „Behandlung“ schränkt die Auswahlmöglichkeiten ein, doch die endgültige Konfiguration sollte den tatsächlichen Arbeitsablauf der jeweiligen Einrichtung widerspiegeln.

22. Mehr Funktionen bedeuten nicht automatisch einen besseren Stuhl

Medizinische Geräte werden manchmal anhand ihrer Ausstattungsmerkmale verglichen.

Dies kann irreführend sein.

Eine Klinik, in der die Stühle nie umgestellt werden, dürfte von einer fortschrittlichen Transportkonfiguration kaum profitieren.

Eine Behandlungsanlage, die stets über einen Netzstromanschluss verfügt, benötigt möglicherweise keine große Batteriekapazität.

Eine Dialyseeinrichtung hingegen kann durch integrierte Wiegesysteme erhebliche Vorteile für die Arbeitsabläufe erzielen.

Eine Funktion ist nur dann von Wert, wenn sie einem tatsächlichen klinischen oder betrieblichen Bedarf dient.

Eine gute Spezifikation maximiert daher keine Funktionen.

Es maximiert die nützlichen Funktionen.

23. Ein praktischer Ansatz zur Auswahl eines Behandlungsstuhls

Bevor Sie die Modelle miteinander vergleichen, beantworten Sie bitte die folgenden Fragen.

Über die Behandlung

Welcher Eingriff wird durchgeführt?

Wie lange dauert eine typische Sitzung?

Welche Patientenlagen sind erforderlich?

Kann es vorkommen, dass eine Notfallposition erforderlich wird?

Über den Patienten

Welche Patientengruppe wird den Stuhl nutzen?

Sind Mobilitätseinschränkungen häufig anzutreffen?

Wie wichtig ist die eigenständige Umlagerung des Patienten?

Ist ein Gefäßzugang erforderlich?

Über den Arzt

Wo müssen sich die Mitarbeiter aufhalten?

Welche Körperbereiche des Patienten müssen sie erreichen?

Würde eine Höhenverstellung des Stuhls die Arbeitshaltung verbessern?

Wie oft wird die Lage des Patienten verändert?

Über die Umwelt

Wie viel Platz steht zur Verfügung?

Wird sich der Stuhl bewegen?

Wo befinden sich die Steckdosen?

Welche weiteren Geräte befinden sich in der Umgebung des Stuhls?

Muss der Stuhl durch Türen, Flure oder Aufzüge transportiert werden?

Über die Ausrüstung

Wird ein Infusionsständer benötigt?

Ist eine Patiententisch erforderlich?

Werden Bildschirme oder Tablets zum Einsatz kommen?

Ist integriertes Wiegen sinnvoll?

Müssen die Geräte zusammen mit dem Rollstuhl transportiert werden?

Über den Lebenszyklus

Wie wird der Stuhl gereinigt?

Welche Komponenten unterliegen einem Verschleiß?

Sind Ersatzpolster und Ersatzteile erhältlich?

Wie wird der Stuhl gewartet?

Mit welcher Lebensdauer ist zu rechnen?

Sobald diese Fragen geklärt sind, gewinnt der Vergleich der Produktspezifikationen deutlich an Aussagekraft.

24. Vom Konzept bis zur Konfiguration

Digiterm bietet verschiedene Produktfamilien an, da unterschiedliche klinische Umgebungen unterschiedliche Lösungen erfordern.

Anstatt gleich mit der Auswahl eines Modells zu beginnen, empfiehlt sich folgender Auswahlprozess:

1. Definieren Sie die Therapie

Legen Sie den klinischen Ablauf und die voraussichtliche Behandlungsdauer fest.

2. Definieren Sie den Patienten

Berücksichtigen Sie die Anforderungen hinsichtlich Mobilität, Positionierung und Komfort.

3. Legen Sie den Arbeitsablauf fest

Ermitteln Sie, welche Maßnahmen das medizinische Fachpersonal im Umfeld des Patienten ergreifen muss.

4. Definieren Sie die Umgebung

Berücksichtigen Sie die Raumgröße, die Bewegungsfreiheit, die Leistungsaufnahme und die umgebenden Geräte.

5. Wesentliche Funktionen definieren

Unterscheiden Sie zwischen notwendigen Funktionen und wünschenswerten Optionen.

6. Vergleichen Sie geeignete Stuhlserien

Bitte nutzen Sie den Digiterm-Leitfaden zur Modellauswahl sowie die Anwendungsseiten.

7. Konfigurieren Sie die Behandlungsstation

Fügen Sie nur jene Zubehörteile hinzu, die den Arbeitsablauf unterstützen.

8. Visualisieren Sie das Ergebnis

Nutzen Sie den 3D-Stuhl-Designer und die Farbauswahl-Tools von Digiterm.

9. Überprüfung der Anforderungen an den Lebenszyklus

Berücksichtigen Sie Reinigungsarbeiten, Wartungsarbeiten, den Austausch von Polstern sowie Ersatzteile.

10. Besprechen Sie das Projekt

Bei komplexen Installationen, neuen Kliniken, Ausschreibungen oder größeren Stückzahlen besprechen Sie bitte den gesamten Anwendungsfall mit Digiterm oder Ihrem lokalen Digiterm-Partner.

Der Stuhl ist Teil des Behandlungsumfelds

Medizinische Sitzmöbel werden mitunter als Ausrüstung betrachtet, die neben der „echten“ Medizintechnik zum Einsatz kommt.

Bei Patienten, die sich einer Langzeitbehandlung unterziehen, kann das Gegenteil der Fall sein.

Der Behandlungsstuhl ist die räumliche Umgebung, in der ein Großteil der Behandlung stattfindet.

Sie bestimmt, wie der Patient sitzt, wie das medizinische Personal ihn erreichen kann, wie die Geräte um ihn herum angeordnet sind und wie leicht sich die Behandlungsstation an veränderte Umstände anpassen lässt.

Das Ziel eines guten Designs für medizinische Stühle besteht daher nicht lediglich darin, einen bequemen Sitz zu schaffen.

Ziel ist es, eine stabile, anpassungsfähige und effiziente Schnittstelle zwischen der Patientenversorgung und dem klinischen Umfeld zu schaffen.

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